Erkenntnisse eines Tankwarts

Theaterkollektiv jott·we·de

Von Alexandre Labruffe
Regie: Jan Stephan Schmieding

23. + 24. Oktober 2026
20.00 Uhr
25. Oktober
18.00 Uhr

Theater

Spielort:

ehem. Tankstelle
Endenicher Str. 44, 53115 Bonn

25,- Unterstützer*innenticket / 20,- / 10,- (ermäßigt)

Eine Tankstelle am Rande der Großstadt: Ein Tankwart schiebt endlose Tag- und Nachtschichten. Aus seiner gläsernen Verkaufskapsel beobachtet er, umgeben von Dieselgeruch und Neonlicht, wie das Leben an ihm vorbeirauscht. Um die Zeit totzuschlagen, guckt er Horrorfilme, spielt mit seinem Kumpel, einem ehemaligen Tennisprofi, Dame und philosophiert über seine Rolle als Dealer für eine Welt, die an seinen Tanksäulen hängt wie an einer Nadel. Durchbrochen wird seine Routine nur von Kontrollpatrouillen seines ewig schlecht gelaunten Chefs und durch das Auftauchen seiner heimlichen Flamme. Als sich die Benzintanks wegen eines Streiks leeren, verschwimmt nicht nur für den Tankwart die Grenze zwischen B-Movie und Realität …

Erkenntnisse eines Tankwarts ist ein poetisch-apokalyptisches Journal über die Arbeitswelt im (post-)modernen Industriezeitalter und die Einsamkeit im ewigen Transit.

Labruffes Erzählung macht die Tankstelle zum Schauplatz popkultureller Auseinandersetzung mit all den Verheißungen, die für uns bis heute untrennbar mit dem Konzept unablässiger Mobilität im „Individualverkehr“ verbunden sind. In „Erkenntnisse eines Tankwarts“ fungiert die Tankstelle mal als toter Briefkasten für Geheimbotschaften, mal als Ort zarter Liebesbande oder Schauplatz einer Vernissage – und schließlich als Arena, in der es zum finalen Verteilungskampf um die letzten Tropfen Benzin kommt. Bei allem nostalgischen Charme wirft der Text auch unbequeme Fragen nach den Beharrungskräften moderner Gesellschaften auf, die sich an nicht enden wollendes Wachstum gewöhnt haben.

!! Die Vorstellung findet an einer ehemaligen Tankstelle in Bonn statt. Open Air-Vorstellung – bitte auf dem Wetter am Aufführungstag angemessene Kleidung achten.

Das im Rheinland beheimatete Theaterkollektiv jott•we•de hat es sich zur Aufgabe gemacht, innovative Theaterprojekte für Orte im Stadtraum zu entwickeln, die üblicherweise nicht als Schauplatz für Kulturveranstaltungen genutzt werden. Mit einer Reihe von wechselnden Kompliz:innen aus den Bereichen Sprechtheater, Musik und Tanz hat jott•we•de bereits Projekte in einem ehemaligen Weltkriegsbunker in Bochum-Stahlhausen und dem Areal einer Wasserburg in Bonn-Vilich realisiert, die den Spielort als prägenden Faktor für das Theatererlebnis zugrunde legen. Die Inszenierungen sind als mobile Produktionen, oft als Open Air konzipiert und greifen häufig aktuelle gesellschaftliche Diskurse auf.

Mit Nico Link (Spiel), Henning Nierstenhöfer/Franz Leander Klee (Musik und Spiel)
Ausstattung: Anne Brüssel
Musikalische Leitung: Henning Nierstenhöfer
Produktionsleitung: Julia Honer

Weitere Informationen und aktuelle Vorstellungsdaten


Gefördert durch:
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Landesbüro Freie Darstellende Künste, Dortmund, Kulturamt der Stadt Köln, Bonner Theaterstiftung in der Bürgerstiftung Bonn